Ein neues Zuhause besteht aus mehr als vier Wänden. Wie gut man sich im Quartier bewegen kann, wie Grünflächen gestaltet sind oder was bei Regen mit dem Wasser passiert – all das prägt den Alltag. Für Kronsrode wurden deshalb schon in der Planung konkrete Vorgaben für Gebäude, Straßen und Freiräume festgelegt.

Die Projektbeteiligten haben nichts dem Zufall überlassen. Eine 108 Seiten starke Gebrauchsanweisung, entwickelt vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung der Landeshauptstadt, von Architektur- und Planungsbüros sowie der Wohnungswirtschaft, flankiert die Entwurfsplanung und ist verpflichtender Bestandteil für alle Bauträger. In ihr finden sich neben Vorgaben zur Gestaltung der öffentlichen und privaten Räume und Gebäude auch Regelungen zu Themen wie Barrierefreiheit, zum Umgang mit Regenwasser sowie zur E-Mobilität. Ein Überblick.

Bewusst ausgewählte Baumaterialien

Bei den Baumaterialien gibt es für Kronsrode klare Vorgaben. Eine 20-seitige Broschüre, erstellt vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt, gibt vor, auf welche Bauprodukte verzichtet werden sollte oder muss. Tabu sind Tropenhölzer. Stattdessen sollen einheimische, möglichst regionale Holzarten verwendet werden. Formaldehydfreie Produkte sollen bevorzugt werden, formaldehydhaltige Dämmstoffe sind zu ersetzen. Bauschaum mit gesundheitsschädlichem Isocyanat ist zu vermeiden, chemische Holz- und Fassadenschutzmittel sind nur in Ausnahmefällen erlaubt. Darüber hinaus kommen nur lösemittelarme oder -freie Farben, Lacke und Klebstoffe zum Einsatz, die mit dem Umweltzeichen Blauer Engel gekennzeichnet sind. (Als lösemittelarm gelten laut Vorgabe Lacke mit höchstens 10 Prozent und Klebstoffe mit höchstens 5 Prozent Lösemittelgehalt.) Zudem sind die Bauträger angehalten, so wenig Bauteile aus Aluminium und PVC zu verbauen wie möglich. Eine Liste mit alternativen Baustoffen ist Teil der Broschüre. Jeder Bauträger verpflichtet sich vertraglich, die Vorgaben einzuhalten und das nachzuweisen.

Ein festgelegter Energiestandard

Auch beim Energiebedarf wurde nicht nur ein allgemeines Ziel formuliert. Die Wohngebäude entsprechen mindestens dem damaligen KfW-55-Standard. Das bedeutet: Über Wände, Fenster und Dach geht mindestens 30 Prozent weniger Wärme verloren als bei einem vergleichbaren Referenzgebäude. Der Primärenergiebedarf liegt mindestens 45 Prozent niedriger. In puncto Wärmeversorgung profitiert Kronsrode vom Blockheizkraftwerk der nördlich gelegenen Expo-Siedlung, das als Nahwärmenetz erweitert wurde. Einige Bauträger speisen weitere Energie über Wärmepumpen ein, die durch Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) betrieben werden.

Als vorausschauend haben sich die Vorgaben in Hinblick auf die landesweit gültige Solarpflicht für Wohngebäude erwiesen, die seit 2025 greifen. Sämtliche Häuser in Kronsrode-Nord und -Mitte wurden verpflichtend so konstruiert, dass die Statik den nachträglichen Einbau von PV-Anlagen erlaubt. Für Gebäude, die im Bereich Kronsrode-Süd errichtet werden, ist eine PV-Anlage auf dem Dach schon jetzt Pflicht. Einige Bauträger bieten in Zusammenarbeit mit den örtlichen Energieversorgern sogenannten Mieterstrom an. Dies bedeutet, dass der über die PV-Anlage auf dem Dach erzeugte Strom direkt im Haus durch die Mieter*innen verbraucht wird. Der Preis für diese Energie liegt etwa 10 Prozentpunkte unter dem Grundversorgungstarif.

Carsharing und E-Mobilität

Dem starken Wachstum im Bereich der Elektro- und Elektro-Hybrid-Fahrzeuge wurde Rechnung getragen: In allen Tiefgaragen müssen für mindestens 10 Prozent aller parkenden Fahrzeuge Wallboxen und Co. eingebaut werden. 25 Prozent aller Fahrradstellplätze besitzen eine Lademöglichkeit für Pedelecs und E-Bikes. Zudem werden beim Bau aller Stellplätze Leerrohre eingezogen, sodass diese mit wenig Aufwand mit Lademöglichkeiten oder Wallboxen nachgerüstet werden können. Auch Carsharinganbieter haben sich bereits in Kronsrode eingerichtet. Seit Juli 2024 ist Stadtmobil mit zwei Stellplätzen an der Kattenbrookstrift präsent.

Barrierefreiheit im Alltag

Barrierefreiheit ist konkret in der Planung verankert. Mindestens ein Zugang zu den Innenhöfen soll barrierefrei sein, die Haupterschließung der Geschosswohnungsbauten ist von außen barrierefrei auszuführen. Hauseingänge sollen möglichst auf Straßenniveau liegen; wo das nicht möglich ist, ist eine barrierefreie Rampe vorgesehen. Darüber hinaus, so sieht es die Planung vor, ist jede achte Wohneinheit rollstuhlgerecht (nach DIN 18040-2 R), um auch den Bedürfnissen von Menschen mit Handicap und von Älteren Rechnung zu tragen. Zusätzlich entstehen bereits erste Wohngruppen und Pflege-WGs.

Nicht nur in den Wohnungen wurde auf Barrierefreiheit geachtet, sondern auch bei der Ausgestaltung der öffentlichen Räume. An Querungen und Einmündungen sind taktile Leitelemente vorgesehen. Der Stadtteilpark ist barrierefrei zugänglich, und bei den Spielangeboten sind auch Geräte für Rollstuhlfahrerinnen und-fahrer sowie für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf eingeplant.

Starkregenvorsorge und Gründächer

Auch das Thema Starkregen wurde in die Planungen einbezogen. Die Straßen und Wege werden über Mulden-Rigolen-Systeme entwässert. Auf privaten Grundstücken sind in der Regel Versickerungsanlagen und bei Bedarf gedrosselte Regenwasserkanäle vorgesehen. Bei Starkregen soll überschüssiges Wasser möglichst schadlos über die Verkehrsflächen abfließen können. Die Oberflächen der Quartiersstraßen werden so ausgebildet, dass auch größere Mengen Regenwasser gezielt auf Freiflächen nördlich und südlich von Kronsrode abgeleitet werden. (Für die Versickerung werden nach den Erfahrungen der Planung rund 15 Prozent eines Baufelds benötigt. Wie groß die Fläche tatsächlich sein muss, wird jedoch für jedes Bauvorhaben individuell ermittelt.)

Dächer übernehmen in Kronsrode mehrere Aufgaben. Begrünte Dächer können Regenwasser zurückhalten und so dazu beitragen, dass Niederschläge nicht sofort abfließen. In der Planung sind außerdem Solarthermie und Photovoltaik ausdrücklich vorgesehen beziehungsweise erwünscht – besonders in Kombination mit Dachbegrünung. An den Straßen gepflanzte Bäume sollen die Aufenthaltsqualität im Stadtteil erhöhen und die klimatischen Verhältnisse verbessern.