Modern, städtisch, grün: Diese Forderungen an Kronsrode spiegeln sich bei den Themen Nachhaltigkeit und Inklusion wider. Stadt und Bauträger legen bei beidem Wert auf hohe Standards im Quartier.

Die Projektbeteiligten haben nichts dem Zufall überlassen. Eine 108 Seiten starke Gebrauchsanweisung, entwickelt vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung der Landeshauptstadt, von Architektur- und Planungsbüros sowie der Wohnungswirtschaft, flankiert die Entwurfsplanung und ist verpflichtender Bestandteil für alle Bauträger. In ihr finden sich neben Vorgaben zur Gestaltung der öffentlichen und privaten Räume und Gebäude auch Regelungen zu Themen wie Barrierefreiheit, zum Umgang mit Regenwasser sowie zur E-Mobilität. Ein Überblick.

Nachhaltige Baumaterialien

Beim Wohnquartier kommen verstärkt gesundheitsund umweltverträgliche Materialien zum Einsatz. Eine 20-seitige Broschüre, erstellt vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt, gibt vor, auf welche Bauprodukte verzichtet werden sollte oder muss. Tabu sind Tropenhölzer sowie Bauprodukte mit Formaldehyd, FCKW und H-FCKW. Bauschaum mit gesundheitsschädlichem Isocyanat ist zu vermeiden, chemische Holz- und Fassadenschutzmittel sind nur in Ausnahmefällen erlaubt. Darüber hinaus kommen nur lösemittelarme oder -freie Farben, Lacke und Klebstoffe zum Einsatz, die mit dem Umweltzeichen Blauer Engel gekennzeichnet sind. Zudem sind die Bauträger angehalten, so wenig Bauteile aus Aluminium und PVC zu verbauen wie möglich. Eine Liste mit alternativen Baustoffen ist Teil der Broschüre. Jeder Bauträger verpflichtet sich vertraglich, die Vorgaben einzuhalten und das nachzuweisen.

Zukunftsweisende Energiestandards

Schon für das Nachbarwohnquartier Kronsberg, das ab 1997 vor dem Hintergrund der Weltausstellung 2000 entstand, wurden zukunftsweisende Energiestandards entwickelt. Diese wurden aufgegriffen, aktualisiert und gelten für das aktuelle Neubauprojekt Kronsrode. So bestand seit Anbeginn die Mindestforderung, den Energieeffizienzhaus-Standard 55 umzusetzen. In puncto Wärmeversorgung profitiert Kronsrode von der nachhaltigen Planung der nördlich gelegenen Expo-Siedlung: Das dortige Blockheizkraftwerk wurde erweitert und steht als Nahwärmenetz zur Verfügung. Einige Bauträger speisen weitere Energie über Wärmepumpen ein, die durch Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) betrieben werden.

Als vorausschauend haben sich die Vorgaben in Hinblick auf die landesweit gültige Solarpflicht für Wohngebäude erwiesen, die ab 2025 greift. Sämtliche Häuser in Kronsrode-Nord und -Mitte wurden verpflichtend so konstruiert, dass die Statik den nachträglichen Einbau von PV-Anlagen erlaubt. Für Gebäude, die im Bereich Kronsrode-Süd errichtet werden, ist eine PV-Anlage auf dem Dach schon jetzt Pflicht. Einige Bauträger bieten in Zusammenarbeit mit den örtlichen Energieversorgern sogenannten Mieterstrom an. Dies bedeutet, dass der über die PV-Anlage auf dem Dach erzeugte Strom direkt im Haus durch die Mieter*innen verbraucht wird. Der Preis für diese Energie liegt etwa 10 Prozentpunkte unter dem Grundversorgungstarif.

Carsharing und E-Mobilität

Dem starken Wachstum im Bereich der Elektro- und Elektro-Hybrid-Fahrzeuge wurde Rechnung getragen: In allen Tiefgaragen müssen für mindestens 10 Prozent aller parkenden Fahrzeuge Wallboxen und Co. eingebaut werden. 25 Prozent aller Fahrradstellplätze besitzen eine Lademöglichkeit für Pedelecs und E-Bikes. Zudem werden beim Bau aller Stellplätze Leerrohre eingezogen, sodass diese mit wenig Aufwand mit Lademöglichkeiten oder Wallboxen nachgerüstet werden können. Auch Carsharinganbieter haben sich bereits in Kronsrode eingerichtet. Seit Juli ist Stadtmobil mit zwei Stellplätzen an der Kattenbrookstrift präsent.

Barrierefreiheit

Auch in puncto Barrierefreiheit soll Kronsrode ein Vorzeigequartier werden: Alle Wohnungen im Geschosswohnungsbau werden entsprechend ausgestattet sein. Darüber hinaus, so sieht es die Planung vor, ist jede achte Wohneinheit rollstuhlgerecht, um auch den Bedürfnissen von Menschen mit Handicap und von Älteren Rechnung zu tragen. Zusätzlich entstehen bereits erste Wohngruppen und Pflege-WGs.

Nicht nur in den Wohnungen wurde auf Barrierefreiheit geachtet, sondern auch bei der Ausgestaltung der öffentlichen Räume. So sind Blindenleitsysteme in Straßenräumen ebenso selbstverständlich wie die Vermeidung von Stolperfallen und zu großen Steigungen.

Gründächer und Starkregen-Vorsorge

Auch bei der Planung der Oberflächenentwässerung wurde auf die Erfahrungen aus der bestehenden Kronsberg-Bebauung zurückgegriffen. Die Straßen und Wege werden über Mulden-Rigolen-Systeme entwässert. An den Straßen gepflanzte Bäume erhöhen die Aufenthaltsqualität im Stadtteil und verbessern die klimatischen Verhältnisse. Zu beidem trägt auch die Dachbegrünung der Häuser bei, die im Bebauungsplan verbindlich festgesetzt ist.

Entwässert werden die Grundstücke über Versickerungsanlagen und bei Bedarf über gedrosselte Regenwasserkanäle. Auch das Thema Starkregen wurde in die Planungen einbezogen. Die Oberflächen der Quartiersstraßen werden so ausgebildet, dass auch größere Mengen Regenwasser gezielt auf Freiflächen nördlich und südlich von Kronsrode abgeleitet werden.